Roboter in der Lebensmittelherstellung
Bremen als Gastgeber für ein Spezialsymposium
„Roboter in der Lebensmittelherstellung III“ lautete der Titel eines Symposiums, das am 24. und 25. März 2011 von der DLG e.V. (Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft) im Konferenzzentrum der Sparkasse Bremen veranstaltet wurde. Unterstützt wurde die Tagung von der Handelskammer Bremen, der Deutsch Japanischen Gesellschaft zu Bremen sowie der Bremer Firma K-Robotix GmbH.
Eingeleitet wurde das Symposium mit den wichtigsten Grundlagen im Hinblick auf den Einsatz von Robotern. Anschließend wurde anhand konkreter Beispiele aus verschiedenen Branchen der Lebensmittelindustrie aufgezeigt, wie und wozu Roboter heute im Bereich der Lebensmittelherstellung eingesetzt werden können. Und gerade der Schulterschluss mit der Deutsch Japanischen Gesellschaft zeigte denn auch die Blickrichtung, was in naher Zukunft auf diesem Gebiet zu erwarten ist.
Roboter sind aus der modernen Lebensmittel- und Getränkeindustrie schon heute nicht mehr wegzudenken. Dort wurden sie aber lange Zeit entsprechend ihrer ursprünglichen Intention vornehmlich „fürs Grobe“ eingesetzt, beispielsweise zum Packen und Palettieren. Auf dem Weg in die eigentliche Produktion und damit in den direkten Kontakt mit Lebensmitteln waren vielfache, teils hohe Hürden zu überwinden, die bei anderen industriellen Applikationen wie etwa in der Automobil- oder in der chemischen Industrie so nicht bestehen: Hier sind zu aller erst die hohen und kompromisslosen hygienischen Anforderungen zu nennen. Nicht weniger problematisch erweisen sich aber auch die nicht standardisierbaren Formen natürlicher Rohstoffe, deren rheologische Eigenschaften und mechanische Empfindlichkeit sowie die teilweise korrosiven Bedingungen, die vom Lebensmittel selbst wie vom Maschinenumfeld ausgehen können. Die Herstellung von Lebensmitteln ist nun einmal mit viel Wasser, teilweise mit hohen Salz- und Säurekonzentrationen verbunden, ganz zu schweigen von den teilweise extremen Temperaturen von über 150 °C beim Frittieren bis hin zu Gefriertemperaturen von minus 30 °C. Zur Erfüllung dieser Anforderungen wurden in den letzten Jahren u. a. seitens der Roboterhersteller erhebliche Anstrengungen unternommen, so dass Roboter heute mehr und mehr Aufgaben in der direkten Lebensmittelherstellung übernehmen können. Quantensprünge dabei waren aber auch die Fortschritte in der Informatik - man denke an die gewaltigen Fortschritte hinsichtlich der Rechnerleistungen in Verbindung mit entsprechenden Softwarelösungen – sowie in der industriellen Bilderfassung und Bildauswertung. Die Roboter wurden dadurch nicht nur „intelligenter“ und leistungsfähiger, sie „lernten“ vielmehr auch „zu sehen“ und auf der Basis eindeutig definierter Parameter auch situationsbezogen zu reagieren. So wurde auf der Anuga FoodTec 2009 in Köln beispielsweise mit der in Bremen „erfundenen“ Robotik-Pack-Line demonstriert, wie wahllos auf einem Band ankommende Rohstoffe erkannt und vom Roboter in eine einheitliche Lage gebracht werden, um sie anschließend zu einem appetitlichen haltbaren Burger in eine optisch attraktive Verpackungsmulde einbringen zu können.
Da auch Roboter nicht alleine arbeiten, sondern in bestehende oder neu konzipierte Gesamtanlagen integriert und mit anderen Komponenten synchronisiert werden müssen, ist deren Einsatz durchaus als komplexes Geschehen zu betrachten, wo vor allem auch die IT- und Systemspezialisten gefragt sind, ihr Können zu beweisen.
Wenn es auch auf unterschiedlichen Ebenen und in unterschiedlichen Bereichen noch viel Forschung und Entwicklung zu leisten gilt, so ist doch unübersehbar, dass die Roboter ihren Weg in die Lebensmittelproduktion hinein weiter gehen werden - ein spannender Weg, den es sich lohnt aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu verfolgen.
Inhaltlich gestaltet wurde das Symposium vom DLG-Arbeitskreis „Robotik in der Lebensmittelherstellung“, der sich im Jahre 2008 etabliert und der Aufgabe verschrieben hat, offene Fragen und Probleme im Zusammenhang mit der weiteren Verbreitung von Robotern in der Lebensmittelindustrie zu bearbeiten, wobei auch das Thema Ausbildung einen hohen Stellenwert besitzt. Verwundert es wirklich, dass gleich drei Bremer Unternehmen bzw. Institute in diesem Arbeitskreis vertreten sind?
Herbert J. Buckenhüskes
Prof. Dr. Herbert J. Buckenhüskes ist Präsident der Gesellschaft Deutscher Lebensmitteltechnologen und arbeitet als selbstständiger lebensmittelwissenschaftlicher Berater und außerplanmäßiger Professor für Lebensmitteltechnologie an der Universität Hohenheim. Bei der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) in Frankfurt/M. ist Herbert J. Buckenhüskes Fachgebietsleiter Lebensmitteltechnologie im DLG-Fachzentrum Land- und Ernährungswirtschaft.
Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG)
Die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) wurde 1885 von Max Eyth als Selbsthilfeorganisation gegründet. Mit über 22.000 Mitgliedern ist sie heute eine der Spitzenorganisationen der deutschen Agrar- und Ernährungswirtschaft. Gemeinnützig, unabhängig und neutral hat sich die DLG zum Ziel gesetzt, wissenschaftliche Erkenntnisse aus den Gebieten der Land- und Lebensmittelwirtschaft in die Praxis umzusetzen. Bezogen auf den Lebensmittelbereich dienen hierzu die seit Jahrzehnten durchgeführten Qualitätsprüfungen von Lebensmitteln, die Ausrichtung von Tagungen und Konferenzen sowie die auf die frühere DLG FoodTec zurückgehende Ausrichtung der heutigen Leitmesse für Lebensmitteltechnologie, der ANUGA FoodTec, welche in Kooperation mit der Koelnmesse durchgeführt wird. Aus dieser Tradition kommend und mit dem Willen, die umfassende Sicht „vom Feld bzw. Stall zum Tisch des Verbrauchers“ konsequent in die Praxis umzusetzen, hat sich die DLG das Ziel gesetzt, ihr Engagement in der Lebensmittelwirtschaft weiter auszubauen. Es entspricht dabei dem selbst gesetzten Anspruch, dass die DLG mit Hilfe ihres weit gespannten Netzwerkes zwischen Wissenschaft, Behörden, Beratung, Wirtschaft und Praxis die Schlüsselprobleme im Bereich der Lebensmitteltechnologie identifiziert und sich maßgeblich bei deren Lösung engagiert.
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